Wanderführer Schottland

Kirchenburgen als Reise- und Wanderziele

Erstellt am Freitag, 08. April 2011
Geschrieben von Dr. Lutz Heidemann

 

Ich wusste schon lange von den Kirchenburgen in Siebenbürgen und ihrer historischen Rolle. Wir sind auf einer Wanderung in Slowenien einmal an einer Kirchenburg vorbeigekommen; sie heißen dort Tabor nach dem alttestamentarischen Bergheiligtum. Schutz vor den Türken war hier wie dort eine Aufgabe. In Siebenbürgen gab – und gibt - es Dutzende dieser interessanten Bauwerke. In dem Hotel in Schäßburg erhielt ich ein englischsprachiges Faltblatt mit dem Obertitel: The Saxon Legacy, zu deutsch: das sächsische Erbe. Sie sind nicht isoliert zu würdigen, sie sind eng mit der Geschichte der sie umgebenden Bauerndörfer verbunden. Ich berichtete schon, dass ich in der Kirchenburg Apold war und dann durch Dörfer wie aus dem Bilderbuch kam und die ganze Zeit dachte, wie schön es doch wäre, hier zu wandern. Inzwischen weiß ich, man kann es.

Wer sich schon vorher ein Bild von den siebenbürger Dörfern machen möchte: Informationen zu einzelnen Orten, in der Regel in Verbindung mit Luftbildern von Gerster, sind zu finden in dem Internet-Portal: www.siebenbuerger.de, von wo man sich zu „Ortschaften“ durchklicken kann.

Wenn man jetzt durch die sächsischen Dörfer fährt, hat das etwas sehr melancholisches. Man sieht wenig Menschen auf der Straße und die Zahl der deutschsprachigen Bewohner ist drastisch zurückgegangen. Inmitten des ursprünglich einheitlichen, aber auch ein bisschen verwitterten Gesamtbildes fallen dann einige etwas zu farbenfrohe Renovierungen besonders auf. Da können Rumänen eingezogen sein, oft sind es Roma. Aber wenigstens stehen die Häuser nicht leer und verfallen.

Es gab bereits einzelne Initiativen gegen die soziale Ausblutung, z. B. das Dorfentwicklungsprojekt „Nachhaltiges Holzmengen“, rumänisch „Hosman durabil“. Die Aktivisten dieses Vereins charakterisieren ihre Situation folgendermaßen: „Das Harbachtal zwischen Hermannstadt und Schäßburg ist touristisch nicht erschlossen, außerdem wirtschaftlich schwach und von der Abwanderung seiner Bewohner gezeichnet. Auf Initiative des [Berliner Planungsbüros] KulturLand erarbeitete der Verein in Zusammenarbeit mit der Samuel von Brukenthal-Stiftung, dem Büro Logo Verde SRL und der Reky-Travel Club SRL einen Wanderweg zwischen Leschkirch, Hermannstadt und Freck als Beitrag zur behutsamen Modernisierung, zum internationalen Austausch und zur touristischen Aufwertung.“ Informationen und eine Karte gibt es bei eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! . Internet: www.brukenthal.org

Jedoch wird unter Neuigkeiten für 2008 gemeldet: „Nach dem erfolgreichen Absatz der Erstauflage 2007 der Wanderkarte (2000 deutsch, 1000 rumänisch) wird die zweite Auflage vorbereitet. Sie soll zu Saisonbeginn im Juni erhältlich sein. Neben einigen Verbesserungen werden dann GPS-Daten für alle Einzelrouten verfügbar sein. Eine Teilstrecke (Holzmengen - Burgberg) ist bereits bei www.gps-tour.info abrufbar. Nachdem die Wegweiser „der ersten Generation" leider fast alle und in kürzester Zeit entwendet wurden, ist vorerst keine Markierung solcherart geplant. So es die Kapazitäten zulassen, werden wir mit Farbe und Schablonen nachmarkieren. Geführte Wanderungen werden von www.reky-travel.de in Sibiu / Hermannstadt organisiert.“ Damit scheint der Impuls etwas erlahmt. Denn Ende 2009 standen jedenfalls keine neuen Information im Netz, also auch keine Aussagen, ob die Markierungen inzwischen vorgenommen wurden.

Öffentliche Mittel sind über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und kirchliche Stellen auch in das sehr viel umfangreichere Nachfolge-Projekt geflossen. Die erwähnte Berliner Planungsgruppe BPE war daran entscheidend beteiligt. Ein Ergebnis ist die nachfolgend beschriebene Veröffentlichung. Sie kann in Rumänien z. B. in Buchhandlungen in Hermannstadt oder Mediasch und in Deutschland über den Shaker Verlag Aachen (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ) bezogen werden.

Herausgeber: KirchenBurgenSchutzVerein Siebenbürgen, Mediasch
Siebenbürgen – Gästehäuser und Wanderwege in der Kirchenburgenlandschaft
ISBN 978-3- 86858-040-2, 180 Seiten, viele Abbildungen und Karten

Das sehr gute, informative Buch wurde erarbeitet von einer Autorengruppe aus Vertretern vor Ort und den Berliner Planern, die auch für andere deutsche und osteuropäische Regionen Beratungen für verträglichen Tourismus betrieben haben. Nach einer kurzen Einleitung gibt es eine 100-seitige detaillierte Auflistung aller Übernachtungsangebote entlang der Routen zwischen den Kirchenburgen, die selbstverständlich auch beschrieben wurden.

Es wurden entsprechend der landschaftlichen Gliederung fünf regionale Gruppen gebildet. Dann folgen über 50 Seiten Karten und Wegebeschreibungen, illustriert von Fotos zu einzelnen verlockenden Details. Man möchte sofort loswandern! Die Wege sollen markiert sein; es gäbe gelbe, blaue und grüne Markierungen, z. T. verbunden mit Symbolen.

Die Markierungen werden bestimmt nicht in so dichter Folge angebracht sein wie in deutschen Mittelgebirgen, aber die Karten kommen mir sehr präzise vor und man kann sich wahrscheinlich auch gut in der Landschaft orientieren. Man kann auf diese Weise ein bis zwei Wochen von Ort zu Ort wandern. Ich bin allerdings irritiert, dass ich bei meinen Besuchen in den Kirchenburgen keine Hinweise auf die markierten Wege beobachtet habe. Entweder war das der erwähnte Vandalismus, oder vielleicht möchte die verbliebene deutsche Minderheit nicht auffallen.

Wie ich z. B. in Frauendorf / Axente Sever beobachten konnte, gleichen die Unterkünfte in den Kirchenburgen oder Pfarrhäusern den „Gites d’étappe“ in Frankreich - oder deutschen Jugendherbergen wie vor 75 Jahren. Die Privatquartiere können Überraschungen nach oben und unten bereithalten, zur Not gibt es Fahrzeuge zum nächsten Ort. (Es gibt noch eine Veröffentlichung von Anselm Roth über „Siebenbürger Gästehäuser“, die ich aber nicht kenne.)



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