Rezensionen

Alles zu Fuß

Erstellt am Freitag, 27. August 2010
Geschrieben von Katharina Wegelt

Was ist eigentlich ein Reiselesebuch? Beschreibt es einzig herrliche Reisen oder ist es ein Lesebuch für Reisende? Freddy Langers “Alles zu Fuß - Aufbrechen. Grenzen überschreiten” ist beides.
Empfehlung: Ab in den Rucksack zur nächsten Tour, für alle, die unterwegs nicht nur Wege- und Gegendbeschreibungen lesen wollen. Es tut schon gut, sich verstanden zu wissen.

Langer ist als Leiter des Reiseteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) viel unterwegs … und das, wenn es geht, zu Fuß. Manchmal ist er dies nur für einen Tag, manchmal auch wochenlang. Seine Touren führten ihn in alle Welt.

In seinem im Kellert & Richter Verlag erschienenen Buch sind einige seiner Artikel der Jahre 1993 bis 2008 zusammengefasst - natürlich nicht ohne ein aktuelles Vorwort des Autors. Hier geht er zunächst der Frage nach, warum wir überhaupt gehen, und warum auch noch auf und ab?

Es sind oft die kleinen Dinge, wie die Blume am Wegesrand, das Murmeln des Baches oder das Rascheln des Laubes, die den Wanderer ebenso begeistern wie großartige Panoramen oder erstürmte Gipfel. Dabei könne selbst die ernüchterndste Erkenntnis unterwegs die wunderbarsten Erinnerungen nicht verhindern. Wie Recht Langer hat.

Seine Schilderungen, ob nun von kleineren Touren, wie etwa durch das deutsche Mittelgebirge oder als Teilnehmer aufwendiger Expeditionen, lassen den Nicht-Wanderer ahnen, was es heißt, per pedes unterwegs zu sein, und warum so viele Menschen nahezu süchtig danach sind, auch wenn manchmal die Beine wie der Rucksack schwerer werden, der Körper auf langen Touren manchmal rebelliert, wie Schmerzen sich ankündigen, lange bevor es weh tut und wie Erschöpfung fast unauffällig in die Glieder fährt.

Viele Details lassen den Netzwerker sicher schmunzeln, denn wer erinnert sich nicht selbst, als Auskunft nach dem richtigen Weg “Nehmen Sie doch die neue Straße” bekommen zu haben.

Und wer hat nicht selbst schon gespürt, dass Wanderer, wenn sie denn so wunderbar verschwitzt und speckig daher kommen, nicht überall mit offenen Armen begrüßt werden.

Nebenher philosophiert der passionierte Wanderer über Farben der Rucksäcke und deren zweckmäßigste Bestückung und über Folgen eines vergessenen Hotelschlüssels.

Witzig auch: Langers Teilnahme an der 24-Stunden-Wanderung auf dem Meraner-Höhenweg, wo die Topographie die Choreografie der Mitwanderer bestimmt und sich der Sinn der Wanderung des Nachts nicht wirklich erschloss.

Beschreibungen seiner Touren auf anderen Kontinenten, wie etwa durch die Wüste in Marokko, durch den Snowdonia National Park im mystischen Wales, zum Gipfel des Kilimandscharo, seine Wanderung in der kanadischen Arktis, wo durch den etwa 21.500 Quadratkilometer großen Auyuittuq Nationalpark ein einziger Pfad (der 97 Kilometer lange Aksayook-Pass) führt, geben noch mehr Einblick in das Abenteuer Wandern.

Neben seinen eigenen Touren porträtiert Langer auch spannende Menschen, die mit dem “Zu-Fuß-unterwegs-sein” auf ganz eigene Weisen verwoben sind. Da ist zum einen der Künstler Hamish Fulton, der nach Einsichten, nicht Aussichten sucht …dafür hat er bei mehr als 200 Wanderungen rund 55.000 Kilometer zurückgelegt, oder der Straßenfotograf John Harding, der seit 30 Jahren in San Francisco Menschen fotografiert, “die sich ausweichen müssen” und die Weltumwanderin Ffyona Campbell. Vier der insgesamt 165 Seiten sind Reinhold Messner gewidmet, ebenso viele Borge Ousland, der die Antarktis durchquerte.

Zitate bekannter Schriftsteller, Philosophen und anderer Persönlichkeiten zur “Luftveränderung” in der Rubrik “Aus dem Zettelkasten” runden das Büchlein ab. Die für Netzwerker spannendsten und informativsten Beschreibungen dürften trotz der Vielfalt der beschrieben Touren dennoch die durch die Sächsische Schweiz auf dem Malerweg und die auf dem Lieserpfad durch die Eifel (die vielleicht schönste Wanderung Deutschlands auf einem verzaubernden Weg, wie Langer betont) sein.

Einziges wahres Manko des Buches für Weitwanderer: Es ist ein Hardcover in schneeweiß (zumindest vor der Reise und ohne Schutzumschlag) und bringt 238 Gramm auf die Waage bzw. in den Rucksack. Dafür ist es mit seinem handlichen Format von 10,5 x 21 cm wiederum bestens geeignet für die Seitentasche.

Fazit: Ab in den Rucksack zur nächsten Tour, für alle, die unterwegs nicht nur Wege- und Gegendbeschreibungen lesen wollen. Es tut schon gut, sich verstanden zu wissen.

PS: Es lässt sich am Abend auch gut daraus vorlesen (tagsüber natürlich auch).

Alles zu Fuß. Aufbrechen. Grenzen überschreiten
Autor: Freddy Langer
Taschenbuch: 168 Seiten
Verlag: Ellert & Richter Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-8319-0361-0
Größe: 21,0 x 10,5 cm
Preis: 12,95 € (D)



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