Neuvorstellungen

Die Maus, die im Türstock krabbelt

Geschrieben von Katharina Wegelt

 

Interview zum Buch von Frieder Wolff – der Liebeskummerkrank und völlig unerfahren zur Tour auf dem lykischen Weg aufbrach ... und so Weitwander-Blut leckte

Weitwandern – unser Hobby. Doch wie sind wir dazu gekommen? Erinnert Ihr Euch? Sicherlich sind die Entwicklungen dazu mitunter ähnlich: durch die Familie, Freunde, Neugier ...Im Buch „Die Maus, die im Türstock krabbelt“ beschreibt Frieder Wolff seine Version und sein erstes Weitwander- Erlebnis: auf dem lykischen Weg. Völlig weitwander-unerfahren startet der studierte Psychologe, der auch als Musiker und Regisseur tätig ist ... mit einem verstauchten Fuß, viel zu viel Gepäck und allein. Er beschreibt recht amüsant, wie er sein Gepäck unterwegs nicht nur minimiert, sondern sogar mal verliert, wie er nur langsam voran, aber dennoch ankommt. Und er hat sich verändert in diesen fünf Wanderwochen auf „einem der schönsten Weitwanderwege der Welt“.

„Die Maus, die im Türstock krabbelt“ ist die gedruckte Version seines blogs, mit dem er während seiner Tour unregelmäßig seine Freunde auf dem Laufenden hielt, und für uns eingefleischte Weitwanderer mal einen ganz anderen Blick auf unser Tun gibt ... auf eben eine ganz andere Spezies von (Vielleichtmal)Weitwanderer. Frei von der Leber weg berichtet Frieder Wolff voller Selbstironie von seiner Sicht aufs Weitwandern und seinen Erfahrungen. Ein Gespräch zum Buch und Weitwandern.

Fangen wir doch mit dem Fazit Deiner Premieren-Tour an. Weitwandern ist nicht nur gut bei Liebeskummer, sondern ...?

... hilft bei allen Arten von Problemen, seelischen und körperlichen. Man kann also auch, wie mir geschehen, verletzt auf Krücken loswandern und fünf Wochen später gesund und ohne Krücken zurückkommen!

Du hast also Weitwander-Blut geleckt?

Also, in erster Linie bin ich super froh, dass die zahlreichen grollenden ponygroßen Hirtenhunde im Hinterland der Südtürkei nicht mein Blut geleckt haben! Ansonsten hat mich meine Weitwanderwegbegeisterung bereits zwei Monate später auf den Fußweg von München nach Venedig geschickt. Nach 150 Kilometern musste ich dann aber leider aufgeben, nicht nur aus Zeit- und Geldmangel, sondern insbesondere weil die Alpen spätestens hinter dem Karwendel so ziemlich sehr hoch werden (und das bei meiner vielbeschworenen Höhenangst).

Lese ich da raus, dass Du wie ein „Frisör“, wieder völlig ohne Vorbereitung – so wie in die Türkei - aufgebrochen bist?

Also, ganz so naseweis wie meine erste Reise konnte ich gar nicht losgehen, immerhin waren die Schuhe bereits auf 500 Kilometer eingelaufen und das Gepäck maßgeblich dezimiert. Außerdem sind aufgrund sensationeller Gründlichkeit des Deutschen Alpenvereins die Alpen komplett beschildert, so dass sich tatsächlich nur noch farbenblinde Analphabeten verlaufen können.

Allerdings habe ich die Zitronenbäume vermisst und auch keine Schildkröten konnten mich mehr überholen …

Ah, also insgesamt 650 km weiser. Und auch 650 Kilometer neugieriger auf weitere Wege?

Nun ja, 650 Kilometer sind mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss! Übrigens sagt mir meine inzwischen erworbene, wenn auch bescheidene Wanderweisheit, dass man Gefahr läuft, ausgetretene Pfade aus angeborener Bequemlichkeit ungern zu verlassen, so dass mich meine Neugier wohl wieder auf Wege führen wird, die im Nirgends enden und mich dann erbarmungslos dazu zwingen, völlig neue Pfade zu entdecken. Das ist zwar anstrengend und zieht möglicherweise weitere Katastrophen nach sich, hält aber jung!

Unabhängig von allen persönlichen Widrigkeiten wie wenig Zeit und Geld, Höhenangst und Hundephobie ... Wir Weitwanderer sind ja unterwegs, um Land und Leute, Kulturen und Traditionen kennen zu lernen. Du bist noch mehr auf der Suche nach Dir?

Eigentlich war ich die meiste Zeit auf der Suche nach Wegmarkierungen, manchmal auch nach meinem Rucksack, dem letzten Geld oder dem nächsten Café mit Efes-Pils. Andererseits, hier in Deutschland in der durchrationalisierten Arbeitswelt in den Großstadtmetropolen kann man schon leicht auch mal sich selbst verlieren. Dass ich auf meiner Reise entlang des lykischen Wegs auch mir selbst nochmal viel näher gekommen bin, ist ja ein Glücksfall und somit auch der Auslöser für mein Buch. Bücher über Land und Leute in der Türkei gibt es jede Menge, auch sehr gute, insofern habe ich mich in meinem Buch für die persönlichere Variante entschieden.

Eine letzte Frage: Dass Weitwandern abenteuerreich, spannend und lehrreich sein kann, ist in Deinem Wanderbericht durchaus lustig lesbar. Welchen Tipp hast Du für neugierig gewordene Leser, auf dass sie selbst dazu aufbrechen mögen?

Also erst mal eine positive Einstellung, dann etwas Mut und Durchhaltevermögen und den festen Glauben, dass man es schaffen kann. Vielleicht auch keine zu hohen Erwartungen an sich selbst und an den Weg, dann ist der Blick offener und man ist vielleicht weniger enttäuscht, falls mal nicht alles klappt. Aber mal ehrlich, auf dem lykischen Weg kann man nicht viel falsch machen, er gilt nicht umsonst als einer der schönsten Wanderwege der Welt. Zwischen Antalya und Fetyhe liegt dem Wanderer nicht nur das Abenteuer, sondern auch überwältigende Naturschönheit und wundersamste Ruinen zu Füssen, abgesehen von prima Essen und Bier und wirklich aufgeschlossenen und netten Türken. Für mich die volle Punktzahl für diese mit schönsten und aufregendsten fünf Wochen meines Lebens.

 


„Die Maus, die im Türstock krabbelt - Fünfhundert Kilometer zu Fuß durch die Türkei“

Autor: Frieder Wolff (www.friederwolff.de)
Paperback: 144 Seiten
Verlag: Books on Demand, Auflage 2 (2014)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-732-29959 
Größe: 20,3 x 12,7 cm
Preis: 8,90 € (D)

 

 



Diesen Beitrag teilen



   

Anmeldung  

   

Wer ist online  

Aktuell sind 127 Gäste und keine Mitglieder online

   
© Netzwerk Weitwandern e.V.
Verstanden

Diese Seite verwendet Cookies.

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Inhalte und Dienste. Durch die Nutzung unserer Webseite erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Erfahre mehr...