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Wandern - eine Betrachtung

Geschrieben von Dr. Lutz Heidemann

 

Was bedeutet Weitwandern? Eine Einführung für diejenigen, die diese Leidenschaft noch nicht kennen

Als Weitwandern bezeichnen wir, das sind die Mitglieder vom Netzwerk Weitwandern und Menschen mit ähnlichen Zielen und Erfahrungen, Wanderungen zu Fuß, die sich über mindestens drei, vier Tage erstrecken und bei denen man nicht am Abend zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Wir Weitwanderer gehen auch nicht aufs Geradewohl los, sondern wir benutzen markierte Wege. Diese Wege sind im Prinzip unendlich lang, denn sie sind meist mit anderen Wegen „vernetzt“. Wege sozusagen der obersten Kategorie gehen von einem Ende Europa zu anderen. Aber solche Wege geht man nur ausnahmsweise in ihrer ganzen Länge ab. Üblich sind Wanderungen von einer bis zu drei Wochen. Darüber hinaus gibt es verlockende Ziele, die ein Wanderer oder eine Wanderin in einem Zug erreichen möchte, bei denen schon „der Weg das Ziel“ ist, so daß die Wanderung über mehrere Wochen oder Monate gehen kann. Ein bekanntes Ziel dieser Art ist der Wallfahrtsort Santiago di Compostela in Nordwestspanien.

Wenn man sich über längere Strecken zu Fuß fortbewegt, was man im täglichen Leben durch das Autofahren fast verlernt hat, fühlt man sich anfangs langsam wie eine Schnecke. Dann beobachtet man aber bald, wie sich nach einer Stunde Fußmarsch die Landschaft verändert hat, dass z. B. ferne Objekte deutlich Näher gerückt sind. Es kann ein großes Glücksgefühl erzeugen, wenn man begreift, der eigene Körper ist fähig, solche ungewohnt weite Strecken zu überwinden. Hinzu kommen viele weitere außergewöhnliche Erfahrungen des Weitwanderns: Naturerlebnisse, freundliche und hilfsbereite fremde Menschen, das Verstehen können mancher Ereignisse der Geschichte.

Ein weiteres Merkmal für das Weitwandern im Sinne der Netzwerk-Mitglieder ist, dass diese „Raumdurchquerung“ ohne fremde Hilfe erfolgt, dass wir Wanderer uns in der Regel nicht führen lassen. Grundlage für uns sind allein die markierte Wege. Wir folgen einer „vorgefertigten Komposition“, aber das schon das einzig unselbständige an dieser Fortbewegungsart. Wanderer vertrauen auf eine sichere Führung durch die Markierung. Andere Hilfsmittel können hinzutreten: z.B. die Karte eines Vermessungsamtes, in der der Weg eingetragen ist oder ein Wanderführer mit einer Wegebeschreibung und eingefügten Kartenausschnitten. In Gegenden ohne Wandertradition kann es Strecken geben, die allein nach einer Beschreibung gefunden werden müssen; aber das macht weniger Spaß. Es hemmt den Rhythmus des Gehens, wenn man sich jedes Mal fragen muss, soll man „links hinter der Scheune abbiegen“ oder ob die „richtige“ Abzweigung erst später kommt. Man starrt in ein Buch und beobachtet nicht die Landschaft. Eine „Schnitzeljagd“ ist eine andere Sportart als Weitwandern.

Das Wissen, auf einem markierten Weg zu gehen, ist ein Akt des Vertrauensvorschusses. Im Gegenzug hat sich der jeweilige „Wegemacher“ bemüht, einen sicheren und reizvollen Weg zu finden. Er darf seine Rolle nicht dazu benutzen, persönliche Vorlieben auszuleben und Wanderer z.B. über jeden Aussichtspunkt in der Umgebung und jede Burgruine zu schicken. Wanderer haben auch den Wunsch anzukommen und ein Ziel zu erreichen.

Die langsame Fortbewegungsweise führt ganz von allein dazu, die Umgebung genauer zu beobachten. Ein Mosaikstein von beobachteten Fakten legt sich an den nächsten und wird zum Bild. Man hat ja auch Zeit zum Verarbeiten der Eindrücke. Reizvoll ist es, wenn eine Wanderung so angelegt ist, dass man von einem Landschaftstyp in den nächsten gelangt. So kann man den Wechsel der Steine über die man gelaufen ist im Erscheinungsbild der Häuser wiederfinden oder beim Wechsel vom Mittelgebirge in das Hochgebirge unterschiedliche Landwirtschaftsformen und Feldbestellungen beobachten, oder man registriert schon länger zurückliegende konfessionelle und landesherrliche Grenzen.

Der Weitwanderer kommt in menschenleere und einsame Gegenden und gerät in anderen Teilen Europas auch mit anderen Lebensverhältnissen in Berührung. Er lernt dabei, dass man auch mit weniger Komfort leben kann und nicht alle Annehmlichkeiten der Zivilisation und des üblichen Warenangebotes braucht. Das färbt auch auf die Einschätzung von technischen Hilfsmitteln ab. Will man allein den Weg finden oder neuerdings GPS benutzen? Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kann stolz und nachdenklich machen. Braucht man in der eigenen Wohnung all die vielen angehäuften Dinge, überlegt man, wenn man bei einem Hirten übernachtet hat.

Der „Einstieg“ ist in mehrfacher Hinsicht ein Problem: Wo beginnt ein Weg, wie findet man auf den Weg zurück, wenn man in einem Ort abseits des Weges geschlafen hat- und noch allgemeiner gefragt: Wo fängt man eine Wanderung in einem fremden Land an? Dafür haben wir quer durch Europa kurze „Einstiegshilfen“ vorbereitet, klicken Sie auf „Länder“ – oder Sie lassen sich von einem Bericht einer durchgeführten Wanderung begeistern und begeben sich auf das Abenteuer. In der Regel enthalten unsere Wanderberichte auch Hinweise, wie Sie an Karten und Führer kommen können und wie die Übernachtungsmöglichkeiten in dem entsprechenden Wander-Gebiet sind.

Viel Erfolg!

Und wir würden uns über Ihre Erfahrungen freuen!

   

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