Wo kann man in Rumänien wandern?

Vorbereitung
Erstellt am Freitag, 08. April 2011
Geschrieben von Dr. Lutz Heidemann

Markierte Wege

Es gibt in Rumänien eine größere Menge von markierten Wegen, aber es scheint im rumänischen Gesamtrahmen keine Übersicht über alle derartige Strecken zu geben. Hier besteht Handlungsbedarf! Sozusagen intuitiv, aber letztlich auch nicht überraschend, hat Günther Krämer bei der Auswahl unserer Tagesetappen mehrmals Wege ausgewählt, bei denen wir streckenweise auf Markierungen gestoßen sind. Wie er sich sonst geholfen hat, ist auch in unserer Zeitschrift nachzulesen.

Wanderführer

Führer über mehrtägige Wanderstrecken in der Art wie wir sie z. B. aus Deutschland oder Frankreich kennen, scheint es mit Ausnahme des Kirchenburgen-Führers, auf den ich später ausführlich eingehe, nicht zu geben. Andere Materialien führt Günther Krämer auf, zusammen mit interessanten ergiebigen Links wie www.Karpatenwilli.de.

Luftbilder zur Reisevorbereitung?

Für eine Reise nach Rumänien, bei der die Kultur des Landes eine gewisse Rolle spielen soll, wäre folgendes Buch eine gute Vorbereitung:

Gerster, Georg und Rill, Martin:
Priviri asupra trecutului Romanei – Blicke auf Rumäniens Vergangenheit
Verlag Wort + Welt + Bild, München 2007, ISBN 978-3-9810825-3-1.

Das Buch entstand im Zusammenhang mit einer Ausstellung von großen Abzügen von Schrägluftbildern des Schweizer Photographen Georg Gerster, die zuerst in Sibiu / Hermannstadt und später im Donauschwäbischen Museum Ulm gezeigt wurde. Jedes Foto von Gerster ist ein ästhetischer Genuss. Man spürt, dass die Auswahl aus einem großen Bildvorrat getroffen wurde. Das Buch illustriert sehr anschaulich die verschiedenen Typen von Sehenswürdigkeiten in Rumänien: Es gibt anschauliche Bilder von den mittelgroßen historischen Städte, insbesondere die siebenbürgischen Orte wie Hermannstadt und Schäßburg, aber auch von den barock geprägten Stadtanlagen wie Alba Julia und Arad werden sehr eindrückliche Luftbilder gezeigt. Dann werden die Moldauklöster in ihrer Strenge und Formenvielfalt vorgeführt. Eine weitere Serie gilt den sächsischen Kirchenburgen, dann folgen die Holzkirchen im Maramuresch-Gebiet und eindrückliche antike Denkmäler. Schließlich kommt ein Luftbildbuch über Rumänien nicht umhin, auch eine Abbildung des monströsen Ceauşescu-Palastes zu zeigen.

Reiseführer, die das gesamte Land abdecken

Der auf Wander- und „Outdoor“-Bücher spezialisierte Verlag Conrad Stein (im Vertrieb jetzt in Kooperation mit dem Thomas Kettler Verlag, Hamburg) bietet an

Müller, Ronny und Moll, Michael:
Reisehandbuch Rumänien
2006, ISBN 3-86686-952-5, 7. Auflage, 245 Seiten, Preis: 14,90 €

Im Jahr 2006 erschien die 7. Auflage dieses handlichen Führers. Schon das ist ein gutes Zeichen und beweist eine Nachfrage. Man bekommt Grundinformationen über das Land und die wichtigsten Orte. Format und Gewicht sind rucksackgerecht. Im Text wird vieles sehr allgemein charakterisiert. Landschaften sind „herrlich“, Bauwerke sind „einzigartig“, Flüsse sind „reißend“ und Gebirgsbäche „kristallklar“, (wir sahen leider oft Müll). Manche Aussagen sind von umwerfender Schlichtheit. Es heißt z. B. über den Ceauşescu-Palast: „Das Innere wurde mit zahlreichen Verzierungen versehen.“ Die historische Präzision ist bescheiden; z. B. heißt es auf S. 162: „Die Bukowina zählt jetzt jedoch wieder zu Rumänien.“ Manchmal dachte ich, das Buch wäre eine fortgeschriebene DDR-Produktion.

Zu Siebenbürgen und den Kirchenburgen schreiben die Autoren „Wanderungen von Dorf zu Dorf wären besonders schön“. Den Eindruck hatte ich beim Durchfahren mit dem Auto auch. Sie fahren fort: „Hier sind Sie völlig allein und auf sich gestellt, andere Touristen gibt es selten. In den Tälern finden Sie kleine Dörfer, in denen Sie übernachten können. Leider gibt es keine Markierung, so dass man sich oft verläuft.“ Das mit fehlender Markierung stimmt vielleicht nicht ganz.

Ich war gespannt auf den Abschnitt „Wandern in den Karpaten“, auf den schon außen auf dem Buch geworben wird. Hier bringt der Führer Informationen, die kein anderer nennt. Sie sind knapp, aber wenn man gewohnt ist, mit einem Zelt zu wandern, kann man sich mit ihrer Hilfe auf interessante Mehrtagestouren einlassen. Die Markierungen, die der Führer nennt, haben wir auch gesehen. Das Problem sind die Startpunkte. Wenn man zu einer Seilbahn oder Hütte gelangt ist, wird man wohl einigermaßen gut den Anschluss finden. Das ausgedehnteste Wegenetz gibt es in den Südkarpaten in der Umgebung von Bran und im Făgăraş-Gebirge. Hier gibt es Berghütten, hier wird ein Gebirgswanderer auf seine Kosten kommen.

Im Verlag DuMont, hervorgetreten durch qualitätsvolle und viele Teile der Welt abdeckende Reise- und Kunstreiseführer und seit einiger Zeit in der Mair-Verlagsgruppe, Ostfildern, aber nach wie vor mit eigenständigem Profil, erschien:

Hagenberg-Miliu, Ebba unter Mitarbeit von Miliu, Cezar:
Rumänien, DuMont richtig reisen
2008, ISBN 978-3-7701-7614-4, 2. Auflage, 432 Seiten, viele Abbildungen und Routenkarten, integrierter Reiseatlas M. 1: 1.000.000, Preis: 22,95 €

In der Einleitung (S. 13) redet die Autorin „Klartext“, um keine falschen Bilder – oder gar Haftungsklagen aufkommen zu lassen: „In der Infrastruktur hakt es gewaltig. Das Alltagsleben am Karpatenbogen wird noch über Jahre entbehrungsreich bleiben, so dass der Besucher dort nicht jede ihm vertraute Annehmlichkeit erwarten kann.“

Das Buch ist eine solide Informationsquelle für Rumänienreisende mit Kultur- und Geschichtsinteresse. In vielen kleinen, in den Text eingestreuten Hinweisen wirbt sie um Verständnis für die gegenwärtige Umbruch-Situation z. B. mit Landflucht und Rückkehr. Sie schreibt - und da hat sie recht - dass die deutschen Altstädte vor dem Zweiten Weltkrieg so aussahen wie viele Stadtkerne in Rumänien heute. Aber auch dort macht die flächenhafte Wiederherstellung riesige Fortschritte.

Vom Wandern hat die Autorin – Verzeihung! – wohl nicht viele persönliche Erfahrungen: In einem der für dieses Buch charakteristischen Info-Blöcke schreibt sie auf S. 359: „Beim Wandern sollte man grundsätzlich auf den markierten Wegen bleiben und sich am besten nie allein auf die Wanderschaft machen.“ Ich kann nicht einschätzen, ob sie einen Unterschied zwischen Bergsteigern und Bergwanderern macht, wenn sie auf S. 324 von einem markierten Weg im Făgăraş-Gebirge schreibt: „... nur für erfahrene Bergsteiger zu empfehlen“. Ich halte ihr zugute, dass sie den markierten 4.30-stündigen Wanderweg von der Station Borşa zum Prislop-Pass aufführt.

Der bekannte Verlag Karl Baedeker, er gehört ebenfalls seit einiger Zeit zur DuMont-Mair-Gruppe in Ostfildern, hat aktuell folgenden Führer herausgebracht:

Kotzan, Anna:
Rumänien Baedeker-Allianz Reiseführer
2009, ISBN 978-3-8297-1172-2, 1. Auflage, 403 Seiten, viele, sehr interessante Abbildungen und Karten, dazu als separate Einsteckkarte eine Straßenkarte Rumänien M. 1: 850.000, Preis: 22,95 €

Das Buch ist eine sehr empfehlenswerte, solide und detailreiche Informationsquelle. Es wirbt auch auf gute Weise um Verständnis für Rumänien und enthält eine ausführliche Geschichtsdarstellung. Ebenfalls werden viele Namen erläutert, z. B. die erst 1974 - sprich in der Ceauşescu-Zeit - eingeführte merkwürdige Doppelform „Cluj-Napoca“, bei der ein dakischer Name die „vordeutsche“ Geschichte von Klausenburg überspielen soll. Es wird da auch auf die wechselnde Beschriftung des Mathias-Corvinus-Denkmales vor der gotischen Michaelskirche verwiesen und der Name eines besonders rabiaten, nationalistisch geprägten Bürgermeisters genannt. (Es stehen immer Menschen hinter Entscheidungen.)

Bei Kirchen werden präzise Daten genannt, z. B. bei der unübersehbar das Stadtbild von Temeschwar beherrschenden orthodoxen Kathedrale die Jahre 1936-47. Man begreift so unausgesprochen, dass in den „Jahren nach Trianon“, als dieser Teil des früheren k. und k. Reiches rumänisch wurde, die „nationale“ Kirche hier eine Duftmarke setzte. Oft weist der Führer z. B. auf ungewöhnliche interessante Baudetails hin, nennt auch irritierende Dinge, z. B. Industrieanlagen oder Neubauviertel in der Nähe von trotzdem sehenswerten Reisezielen. Eine besondere Qualität des Führers sind die vielen recht detaillierten Stadtpläne auch für mittlere Städte wie z. B. Großwardein / Oradea.

Der Führer nennt eine ganze Reihe von Adressen für Übernachtungsmöglichkeiten bei den Kirchenburgen. Es spricht in gewisser Weise sogar für die Verlässlichkeit dieses Führers, dass er über Wandermöglichkeiten nichts – oder eben nur den einen Satz schreibt, dass man gut in Rumänien wandern kann.

Wenn ich auch den „Baedeker“ vorziehen würde, sind beide Bücher doch gute Reisebegleiter, allerdings mit je über 600 Gramm Gewicht kaum rucksacktauglich. Auch z. B. weniger von deutschen Touristen besuchte Objekte wie das Kloster Agapia, werden in beiden Führern ausführlich beschrieben. Im Brukenthal-Museum von Hermannstadt werden Cranach und Van Dyck genannt, doch berichten beide Führer nichts von der extremen Merkwürdigkeit, dass sich hier ein Van Eyck befindet. Das ist, wie der Leonardo in Krakau, ein Zeichen für die Zugehörigkeit zu Europa. Ich konnte ihn allerdings nur als Reproduktion sehen; zusammen mit den anderen „Schaustücken“ war er 2009 in Paris zu Gast.



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