Rund ums Windachtal – eine Hüttenwanderung in den Ötztaler Alpen und dem Hochstubai im Juli 2013

Berichte
Veröffentlicht am Sonntag, 12. Januar 2014
Geschrieben von Friedhelm Arning

 

Der Frühling ist schon fast vorbei und so ist die Anfrage meines Sohnes und seines Freundes nicht ganz unberechtigt, wie es denn in diesem Jahr eigentlich mit einer einwöchigen alpinen Tour von Hütte zu Hütte aussieht.

Mir kommt diese Frage natürlich sehr gelegen und so mache ich mich ans Planen. Ursprüngliche Ideen, dieses Mal vielleicht die Ostalpen zu erkunden, scheitern am knappen Zeitbudget, da – Startpunkt Bremen -  schon ziemlich viel Zeit für An- und Abfahrt draufgeht. Daher kreisen die weiteren Überlegungen um die Ötztaler Alpen, die schon lange nicht mehr auf dem Wanderprogramm standen. Aber eine geeignete fünftägige Rundwanderung zu finden mit möglichst dem gleichen Ausgangs- und Endpunkt erweist sich zunächst als gar nicht so einfach.

Sölden wäre zwar durchaus ein günstiger Startort –  in einem Tag gut und problemlos erreichbar – aber welcher aufrechte Wandersmann und welche aufrechte Wandersfrau verbindet mit Sölden und Umgebung nicht eine vom Skitourismus weitgehend zerstörte Hochgebirgslandschaft? Also weitersuchen. Dabei stoße ich dann auf einen Artikel des DAV, in dem behauptet wird, dass Sölden durchaus eine stille Seite hat, in der man „eine ganze Woche, abseits vielbegangener Wege, unterwegs sein kann und die „Zivilisation“ nur zweimal kurz berührt.“ Die Tour umrundet das Windachtal, ausgehend von Sölden zunächst durch die Ötztaler Alpen, gelangt am Timmelsjoch kurz auf südtiroler Gebiet und führt dann durchs Hochstubai nach Sölden zurück.

Ich unterbreite meinen beiden Mitwanderern diesen Vorschlag und sie sind gleich begeistert. Als Termin wird die Woche vom 22. bis 29 Juli festgemacht.

Noch eine allgemeine Bemerkung vorweg: Die Tour ist in der Regel technisch nicht sehr anspruchsvoll. Einige schwierige Stellen sind mit Ketten gesichert. Allerdings lag zu unserem Wanderzeitpunkt noch sehr viel Schnee, was, in Verbindung mit hohen Tagestemperaturen, die Situation insbesondere in den oftmals recht steilen Abstiegen doch deutlich erschwerte. Man muss sich auch bewusst sein, dass man sich bei dieser Wanderung z.T. in Höhen über 3000 m bewegt.

22. Juli

Schon die Anreise gibt einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet. Strahlender Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen begleiten uns von Bremen bis Sölden. Da die Klimaanlage zu allem Überfluss auch noch ihren Geist aufgegeben hat, werden im Auto z.T. 40° erreicht, so dass immer mal wieder das Fenster heruntergelassen werden muss, um zumindest eine Ahnung von Frische zu erzeugen. Gut durchgegart in Sölden angekommen, bricht dann ein Gewitter los, das wenigstens etwas Abkühlung bringt. Und so wird es die gesamte Wanderung hindurch bleiben: Tagsüber hochsommerlich warm und gegen Abend kräftige Gewitter.

23. Juli

Heute steht der erste Wandertag an von Sölden über das Gasthaus Fiegl hinauf zum Brunnkogelhaus. Erst aber sind noch diverse Besorgungen in Sölden erforderlich. Die Ötztaler Aache rauscht bis an den Rand gefüllt mit hoher Geschwindigkeit durch den Ort, was schon auf viel Schmelzwasser und entsprechender Schneelage weiter oben schließen lässt.

In der prallen Mittaghitze (warum passiert uns das eigentlich immer wieder?) können dann endlich die Rucksäcke geschultert werden und der Aufstieg beginnt. Da das Gasthaus Fiegl Busanschluss hat, geht’s eine Schotterstraße hinauf, die natürlich keinerlei Schatten spendet. Laut Karte sollte es auch einen Fußweg durch angenehmeres Gelände geben, aber wir finden ihn nicht und landen immer wieder auf dieser vermaledeiten Straße.

So erreichen wir dann schon ziemlich ausgedörrt Fiegls Gasthaus (1900 m), aber hier gibt es ausreichend Speis und Trank und so können wir, auf der Terrasse unter einem Sonnenschirm sitzend, weit in das Windachtal hineinblicken und die wunderschöne Landschaft genießen.

Es fällt schwer, diesen einladenden Ort zu verlassen, zumal die Hitze unverändert drückt und uns noch annähernd 900 Höhenmeter Aufstieg bevorstehen. Aber es hilft nichts. Die Wasserflaschen werden noch einmal bis zum Rand gefüllt und dann geht es, nachdem wir die Windache auf einem Holzsteg gequert haben, stetig bergauf dem Gipfel des Brunnkogel entgegen. Unterbrochen durch reichlich Trinkpausen erreichen wir dann am Spätnachmittag das direkt auf der Spitze des Berges in 2735 m Höhe gelegene Brunnkogelhaus, eine private Hütte, die kleinste am Weg aber die einzige, die sich Haus nennt. Ihre Lage ist so exponiert, dass man von dort einen grandiosen 360°-Panoramablick auf die Gletscher und Gipfel der Ötztaler und Stubaier Alpen genießt. Es bleibt noch Zeit, diesen Blick bei einem kühlen Hefeweizen auszukosten, aber dann scheucht uns das herannahende Gewitter in die Hütte und unter die Dusche.

Dessert des Tages: Schoko-Mohn-Kuchen.

Noch eine Anmerkung zu dieser Etappe:

Ein Aufstieg am ersten Wandertag um 1400 Höhenmeter auf fast 3000 m ohne Akklimatisierung und dann noch bei hohen Temperaturen muss man sich nicht unbedingt antun. Man kann entweder von Sölden bis zum Gasthaus Fiegl den Bus benutzen oder aber, was mir noch schöner zu sein scheint, zunächst von Sölden zur Kleblealm (2015 m) wandern, dort übernachten um dann über Fiegls Gasthaus auf den Brunnkogel zu steigen.  

24. Juli

Nachdem wir uns ausgiebig am Frühstücksbuffet gelabt haben, brechen wir auf. Das erste Teilstück der heutigen Etappe ist eine Gratwanderung – der Erzherzog-Eugen-Weg -, die uns in ständigem Auf und Ab über mehrere Gipfel führt: Vorderer Brunnenkogel (2761 m), Hinterer Brunnenkogel (2887 m), Rotkogel (2894 m), und Wilde Rötespitze (2966 m).Der Grat ist nicht wirklich ausgesetzt aber hin und wieder mit Sicherungen versehen und ab und zu muss man auch mal die Hände zum Fortkommen benutzen; lediglich das letzte Stück bis zum Gipfel der Wilden Rötespitze ist etwas schwieriger. 

Da sich die letzten Schleierwolken vom Morgen verzogen haben, ist die Aussicht erste Sahne. Vom Rotkogel aus erblickt man die Ötztaler Wildspitze und schaut bis auf die fernen Gletscher des Rätikon. Die wilde Rötespitze eröffnet Talblicke auf der einen Seite hinunter in das Wannenkar mit dem gleichnamigen See (Ruhegebiet der Stubaier Alpen) und auf der anderen Seite ins Timmelstal. Von der Wilden Rötespitze geht es auf dem Grat noch einmal hinunter und dann wieder steil hinauf zum Wannenkarsattel (2916 m). Hier verlassen wir den Grat, um den Abstieg zum Timmelsjoch zu beginnen.

Dieses zweite Teilstück der heutigen Etappe ist nach meinem Dafürhalten eher ein notwendiges, nicht zu umgehendes Übel. Zunächst geht es steil im Schotter bergab -  laut Karte ein gesicherter Wegeabschnitt, aber von Sicherungen ist nichts mehr zu sehen. Dann zieht sich der Weg scheinbar endlos immer wieder über verblocktes Gelände und landschaftlich ist der Blick auf die Timmelsjoch-Hochstraße auch nicht gerade ein Highlight. Zu allem Überfluss schickt das obligate Gewitter diesmal schon am frühen Nachmittag einen kräftigen Vorboten, so dass auch noch das Regenzeug aus dem Rucksack geholt werden muss. So sind wir dann froh, als wir uns zwar recht befeuchtet aber gut gelaunt im  „Schmugglerhaus“ am Timmelsjoch zu Kaffee und Kuchen niederlassen können. Als der Regen nachgelassen hat, besuchen wir noch einen kleinen Pavillon auf dem Scheitelpunkt des Jochs, in dem in einer kleinen Ausstellung an den Bau der Hochstraße mit ihren technischen und menschlichen Herausforderungen erinnert wird. 

Als drittes Teilstück müssten wir jetzt noch weitere 800 m bis zu unserem nächsten Quartier, dem Gasthaus Hochfirst, absteigen. Aber da sich schon die nächste Gewitterfront nähert, eruieren wir, ob wir diese Höhenmeter nicht mit dem Bus hinter uns bringen können. Und siehe da, es gibt heute noch einen Bus, der auf die italienische Seite hinunterfährt, mit dem wir dann auch gerade noch bevor ein heftiges Gewitter losbricht, unsere Unterkunft erreichen – Zimmer mit Dusche, Luxus pur.

Dessert des Tages: Heidelbeertorte

25. Juli

Eigentlich stände heute eine Mini-Etappe von 21/2 Stunden zur Schutzhütte Schneeberg auf dem Programm. Dass diese Etappe so kurz ist, ist durchaus sinnvoll, denn die restliche Zeit des Tages lässt sich sehr gut nutzen. Die Schutzhütte ist nicht einfach eine Hütte sondern Teil des einzigartigen Südtiroler Bergbaumuseums, wobei der Begriff „Museum“ durchaus irrführend sein kann. Man besichtigt kein Museum, sondern taucht mitten in die Welt des Bergbaus ein. Die gesamte Produktionskette eines Bergwerks ist hier erhalten geblieben. Vom Erzabbau über den mühsamen Transport bis zur Erzaufbereitung wird der gesamten Prozess gezeigt sowie die technische Entwicklung der letzten 800 Jahre an Hand unzähliger originaler Bergwerksanlagen, die sich von 1.400 m bis auf 2.700 m Meereshöhe erstrecken.
Aus Zeitgründen entschließen wir uns allerdings schweren Herzens, diese Etappe ausfallen zu lassen und direkt zur Siegerlandhütte zu gehen.

Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, was meinem Filius schmerzlich bewusst macht, dass er tags zuvor irgendwo seine Sonnenbrille verloren hat. Glücklicherweise findet sich im Fundsachen-Fundus des Gasthauses noch ein passendes Modell und so kann es losgehen. Der Weg folgt noch kurz der Timmelsjoch-Hochstraße, auf der um diese morgendliche Zeit allerdings noch nichts los ist und biegt dann als Tiroler Höhenweg Richtung Timmelsalm ins Passer-Tal ab. Auf breitem Schotterweg geht es dann meist angenehm schattig langsam aber stetig bergauf, bis die Timmelsalm (2000 m) erreicht ist.  Das Landschaftspanorama wird mit jedem Schritt, den man Höhe gewinnt, beeindruckender. Bei dem wunderbaren Wetter und der schönen Lage ist auf der Timmelsalm natürlich eine Rast angesagt.

Wir bleiben auf dem Tiroler Höhenweg und steigen nun deutlich steiler über offenes Almgelände und damit schweißtreibender Richtung Großer Timmler Schwarzsee auf. Die Landschaft ist nach wie vor wunderschön. Von allen Seiten rauschen kleinere oder größere Wasserfälle zu Tal, kleine Seen blinken im Sonnenlicht und bei einer Rast sehen wir einen Steinadler kreisen und können Murmeltiere und Steinmarder beobachten.

Nun senkt sich der Weg noch einmal etwas ab, um dann in einem kurzen furiosen Schlussanstieg hinter eine Biegung den Blick auf das grandiose Bergpanorama am Großen Timmler Schwarzsee (2514 m) freizugeben. Schneebedeckte Gipfel umrahmen einen im Sonnenlicht daliegenden tiefblauen See – bei einer Ansichtskarte würde man mit Sicherheit eine Fotomontage vermuten.   Hier könnte man nur sitzen und schauen und schauen und schauen. Aber nach einer ausgiebigen Rast müssen wir weiter, denn das schwierigste Stück Weges steht uns noch bevor.

Wir verlassen jetzt den Tiroler Höhenweg, der nach Südosten in Richtung der Schutzhütte Schneeberg abbiegt, und steigen steil – 400 Höhenmeter auf einer Strecke von ca. 1 km – zur Windachscharte (2913 m) hinauf. Steile Schneefelder mit sulzigem Nassschnee machen das Fortkommen nicht eben leichter. Aber endlich ist die Scharte erreicht und wir werden mit einer wunderbaren Fernsicht in das Windachtal belohnt. Wir können weit unten das Gasthaus Fiegl und winzig klein das Brunnenkogelhaus, unser erstes Etappenziel, ausmachen. Das heißt, die Ötztaler Seite unserer Runde ums Windachtal ist abgeschlossen und mit dem Abstieg von der Windachscharte durch den Östlichen Scheibenferner wechseln wir auf die Hochstubai-Seite.

 Das mit dem Abstieg ist allerdings leichter gesagt als getan. Schneefelder und vom Schmelzwasser durchnässter rutschiger Schotter wechseln sich in steilem Gelände ab. Eine Wegspur ist nur rudimentär hin und wieder zu erkennen, so dass man immer wieder auf seifigem Untergrund abzurutschen und zu stürzen droht. Ein Mal haut‘s mich auch hin aber bis auf einige Abschürfungen bleibt alles heil und so sind wir doch recht froh, als wir 400 Höhenmeter weiter unten wieder auf festeren Boden gelangen. Nun heißt es noch einmal auf 2710 m zur Siegerlandhütte aufzusteigen, was allerdings, von der Querung einiger durch die Schneeschmelze doch ganz schön breit gewordener Bäche abgesehen, unschwierig ist.

Auf der Hütte erzählt man uns dann zum Trost, dass die Wege heuer besonders schwierig seien, da seit 30 Jahren hier nicht mehr so viel Schnee gelegen habe. Heute bleibt das tägliche Gewitter aus und nach dem Abendessen gibt es sogar noch Sonne auf der Hüttenterrasse mit einem phantastischen Rundblick auf die Gletscherregionen von Schwarzwandspitze, Sonklarspitze, Wilder Pfaff und Zuckerhütl.

Dessert des Tages: Stracciatella-Creme

 

26. Juli

Bei strahlender Morgensonne nehmen wir die 4. Etappe zur Hildesheimer Hütte in Angriff. Heute steht uns der höchste Punkt unserer Wanderung bevor. Zunächst aber geht es, immer auf gleicher Höhe bleibend, unterhalb der Scheiblehnwand entlang bis zum Triebenkarsee. Ein vom Schmelzwasser breit und tief gewordener Abfluss des Triebenkarlasferner  erfordert noch ein wenig Herumsuchen, bis ein geeigneter Übergang gefunden ist, dann können wir uns am Triebenkarsee (2695 m) zu einer ersten Rast niederlassen. Wie der Name schon sagt, liegt der See in einer typischen Kar-Landschaft: Schotter Geröll und das Weiß von Gletschern und Schneefeldern.   Aber wir genießen eine wunderschöne Fernsicht auf den Südteil der Stubaier Alpen und auch der Triebenkarlasferner, überragt von Zuckerhütl und Wildem Pfaff ist zum Greifen nahe.

Vor uns erhebt sich die mächtige Wand des Gaiskogels (3128 m), die schon erahnen lässt, was uns jetzt erwartet, denn wir müssen hinauf zum Gamsplatzl, einer Scharte kurz unterhalb des Gipfels. Es beginnt nun ein brutal steiler Anstieg über Steinplatten, Felsbrocken und Schneefelder, bis wir endlich ziemlich ausgepumpt mit dem Gamsplatzl auf 3020 m den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht haben.  Jetzt müssen bei einer ausgiebigen Rast erst mal die leeren Energiespeicher wieder aufgefüllt werden, was uns natürlich nicht daran hindert, gleichzeitig die wiederum phantastische Fernsicht bis weit hinab ins Windachtal zu genießen. Wir haben gewissermaßen eine Drei-Hütten-Sicht: Brunnenkogelhaus, Siegerlandhütte und unser Ziel die Hildesheimer Hütte. Letztere thront zwar schon gut sichtbar auf einem Felsvorsprung, aber bis dahin ist in Wahrheit noch ein weiter Weg.

Nachdem die Vorräte vertilgt und die Passfotos gemacht sind, geht es auf der anderen Seite der Scharte ca. 500 m steil ins Gaiskar bergab, wieder über Schotter, Geröll und Schneefelder. Glücklicherweise ist der Abstieg diesmal aber wesentlich einfacher als gestern, etwas Grünes bekommt das Auge allerdings auch auf dieser Seite des Passes nicht zu sehen. Am tiefsten Punkt angekommen müssen wir noch einmal einen breiten Schmelzwasserbach aus dem Pfaffenferner überqueren, aber diesmal ist ein Steg vorhanden, auf dem wir trockenen Fußes auf die andere Seite gelangen. Nun heißt es noch einmal die letzten Kräfte zu mobilisieren und über mehrere Felsstufen steil hinauf zur Hildesheimer Hütte (2900m) aufzusteigen.

Dort auf der Terrasse in der Sonne sitzend haben wir   nach einem schönen aber anstrengenden Wandertag Kaffee und Kuchen mehr als verdient. Am Abend können wir dann bei einem Glas Wein auch wieder gemütlich aus der Hütte heraus ein Gewitter über dem Gamsplatzl betrachten und uns freuen, dass wir jetzt nicht mehr dort sind.

         Dessert des Tages: Tiramisu

27. Juli

Der Weg der Windachtal-Runde würde uns heute zur Hochstubaihütte führen. Es sind dabei allerdings zwei Gletscher zu überqueren – der Gaiskarferner  und der Windacher Ferner. In normalen Jahren angeblich kein Problem aber bei der hohen Schneelage wollen wir es lieber doch nicht riskieren und so entschließen wir uns kurzerhand zu einer Alternative und steuern die Kleblealm als Etappenziel an. Das erspart uns am nächsten Tag auch einen Abstieg um 1800 Höhenmeter, was zudem die Chance erhöht, rechtzeitig in Sölden zu sein, um noch einen Teil der Rückfahrt zu schaffen.

Bei wiederum bestem Wetter steigen wir auf dem Aschenbrennerweg genüsslich im Panoramamodus talwärts. Der Blick schweift  zunächst noch mal über die Gipfel der Ötztaler Alpen, die wir am 2.Tag z.T. bestiegen haben, geht noch einmal zurück zur Windachscharte – auch von hier sieht der Abstieg immer noch ganz schön anspruchsvoll – und zum Gaiskogel. Weiter vorn kommt nach und nach der Weg, den wir am 1. Tag ins Windachtal heraufgekommen sind, ins Blickfeld. So liefert dieses Teilstück noch einmal eine schöne Zusammenfassung unserer Tour.

Nachdem wir 700 m abgestiegen sind, erreichen wir einen breiten Schotterweg, der uns entlang der Windache talauswärts führt. Unterwegs kommen uns etliche keuchende und verschwitzte Gestalten entgegen, die sich, wie wir herausfinden, auf einem Berglauf befinden. Passend zur Mittagszeit erreichen wir Fiegls Gasthaus und so können wir, wie auf der 1. Etappe wieder auf der Terrasse unter einem Sonnenschirm sitzend, weit in das Windachtal hineinblicken, die wunderschöne Landschaft genießen und uns für das letzte Teilstück unserer Wanderung stärken.

Wir verlassen nun noch einmal das Windachtal und steigen auf der Stubaier Seite über die Windachalm knapp 500 Höhenmeter auf, bis wir an einer Weggabelung den Pfad zur Kleblealm einschlagen. Er führt uns stetig abwärts durch Wiesen und kleine Kiefernwälder mit einem sich immer weiter auf das Ötztal öffnenden Blick bis zur Kleblealm (2015 m), die wir am frühen Nachmittag erreichen.  Sie ist noch ein richtiges Almdorf mit mehreren Häusern, Stallungen und einem Kirchlein. Es herrscht großer Betrieb, denn das letzte Heu muss ins Trockene, bevor das in der Ferne schon dräuende Gewitter herangezogen ist. Trotzdem bekommen wir erst mal auf Kosten des Hauses einen Begrüßungsschnaps und können es uns dann in den auf der Wiese aufgestellten Liegestühlen bequem machen. Bis zum Abendessen, das wir noch auf der Terrasse einnehmen können, hält das Wetter noch, aber dann wird’s finster und das heftigste Gewitter auf unserer ganzen Tour, das auch in der Nacht immer noch mal wieder Atem holt, bricht los. Das Heu ist aber drin.

 

 

Dessert des Tages: Kaiserschmarrn mit                 Preiselbeeren

 

Noch ein paar technische Anmerkungen:

Führer mit detaillierteren Wegbeschreibungen, Alternativen etc. haben wir nicht gefunden. Es gibt zwar einen 80-seitigen Führer „Söldens stille Seite“, der unter www.mankelmuth.de bestellbar sein soll, aber er scheint nicht mehr erhältlich zu sein. Wir hatten Gelegenheit, dieses Büchlein auf einer der Hütten einzusehen, aber es ist eher kulturhistorisch interessant.

Die Alpenvereinskarte für dieses Gebiet, die ich zur Planung benutzt habe, war nicht mehr auf dem aktuellsten Stand. So fehlte etwa der neu angelegte Weg von der Hildesheimer zur Hochstubaihütte.

Gut zurecht kommt man mit der Kompass-Karte 042 „Inneres Ötztal und Pitztal“. Hier ist die gesamte Runde drauf, auch mit dem neuen Weg, mit Ausnahme der kurzen Etappe vom Gasthof Hochfirst zur Schutzhütte Schneeberg.

Wer auf der Kleblealm übernachten möchte, sollte sich tunlichst vorher anmelden, zumal am Wochenende!



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