Vorbereitung
Erstellt am Freitag, 14. September 2012
Geschrieben von Dr. Lutz Heidemann

Aufforderung zum Wandern in Griechenland

Wer eine Reise nach Griechenland plant, denkt meist nicht an eine ausgedehnte Fußwanderung, eher an den Besuch von antiken Stätten oder an Erholung an den vielgestaltigen Küsten. Doch kann man sehr gut beides miteinander verbinden, z. B. von den Meteora-Klöstern nach Delphi wandern. Griechenland besitzt ein ausgedehntes Netz markierter Wanderwege („Monopati"). Es handelt sich um zwei Europäische Fernwanderwege, den E4 und den E6, und ergänzend dazu gibt es mehrere nationale Strecken. Diese „nationalen“ Wege tragen zweistellige Ziffern und sind auch so durch rautenförmige Blechschilder in der Örtlichkeit markiert. Mit diesem umfangreichen Wegenetz sind eigentlich alle interessanten Teile des Festlandes, des Peloponnes und die Insel Kreta für Wanderer erschlossen. Das Netz ist gut in der beigefügten Karte aus der Mitte der 1990er Jahre zu erkennen. Inzwischen ist der Weg 31 Patras- Olympia noch hinzugekommen, eine bestimmt sehr reizvolle Strecke.

Darüber hinaus existieren noch Wege, die durch Initiativen örtlicher Fremdenverkehrsbüros oder von Einzelpersonen entstanden sind. Ich weiß von solchen Angeboten z.B. an der Westküste des Peloponnes oder verweise auf den Corfu-Trail, von dem wir in Nr. 11 (Aug. 2003) und Nr.18 (Dez.2005) berichtet haben. Die Edition Graf www.graf-editions.de hat in den letzten Jahren mehrere deutsche und englische Führer für kürzere Wanderungen auf einer ganzen Reihe von griechischen Inseln herausgebracht. Das wäre eine Hilfe für die Kombination von Baden und Wandern, besser Spazierengehen.

Meine Frau und ich sind Ostern 1998 in zehn Tagen auf den Wegen E4 und 32 von Egion am korinthischen Golf bis nach Sparta gewandert. Im Sommer 1999 sind wir erst einige Tage zusammen mit Anastasios Rigas auf dem E6 in dem griechischen Teil der Rhodopen nördlich der Städte Serres und Drama gewandert, später- wieder allein- auf dem Weg 02 vom Olymp über den Ossa in die Pelion-Berge. Im Jahr 2001 sind wir zehn Tage von Kastoria bis Polikastro an der Überlandstraße Saloniki - Skopje gewandert. Darüber gab es in Nr. 7 (Sept. 2001) einen Bericht, der allerdings stärker die unterwegs getroffenen Menschen als an die durchquerten Gebiete zum Thema hatte.

Auf diesen verschiedenen Wanderungen haben wir phantastisch-schöne, vielseitige Landschaften kennengelernt: fruchtbare Ebenen, dramatische Schluchten, steiniges Weideland, blumenübersäte Wiesen oder Eichen- und Buchenwälder, durch die man stundenlang wandern, kann ohne einem Menschen zu begegnen. In den Rhodopen und auf dem Olymp werden die Wanderer über lange Strecken oberhalb der Baumgrenze geführt. Ich persönlich fand die Strecken auf dem 02-Weg durch die stark duftende Macchia am faszinierendsten, das erschien mir viel „griechischer" als die dunkelen Nadelholzwälder z.B. am Taygitos.

Die Markierung geschah überwiegend durch Metallschilder, die auf Bäume genagelt wurden. Auf weisem Grund ist eine gelbe Raute mit der Wegebezeichnung z.B. E6 oder 32 in der Mitte. Diese vergleichsweise teuren Schilder wurden nicht mit der Häufigkeit angebracht, die in Mitteleuropa üblich ist. Der „Vorwegweiser“ französischer Art für Richtungsänderung oder das Zeichen „falscher Weg“ kennen die Griechen nicht. Für längere Wegeabschnitte wird der Wanderer über Forststraßen geführt. Dann biegt der Wanderweg ab und es kann über Pfade weitergehen. An diesen kritischen Stellen hatten die „Wegemacher“ Metallstangen mit aufmontierten Wegweisern aufgestellt. Diese Wegweiser sind nicht sehr „vandalismus-resistent“.

Griechenland kann ein gutes und interessantes Ziel für Wanderer sein. Aber ich will nicht verschweigen, daß die Umsetzung in der Tat schwierig ist. Vergleichsweise einfach war das Wandern auf dem Peloponnes. Hier hat sich z.B. durch die Veröffentlichung von Gert Hirner „Wanderungen auf dem Peloponnes“ (Bruckmann München 1989 ISBN 3-7654-2197-9) vielleicht schon eine gewisse Tradition herausgebildet und waren die Wege begangen worden. Aber auch z.B. auf dem jüngeren „32“ war die Markierung streckenweise sehr lückenhaft. Für den E4 auf dem Peloponnes erschien 1995 ein kleines Büchlein des Verbandes der Griechischen Bergsteiger-Vereine mit Wegebeschreibungen und Höhen-Profilen der 15 Etappen von Anastasios Rigas.

Zu den beiden Europäischen Fernwanderwegen gibt es deutsche Wegebeschreibungen in Form eines maschinengeschriebenen Manuskriptes mit Kartenskizzen. Sie sind von Anastasios Rigas vom Verband der Griechischen Bergsteigervereine in Athen (EOS) verfaßt worden, den man als den „guten Geist" des griechischen Weitwanderwesens bezeichnen muß. Inzwischen ist Rigas über 90 Jahre alt, er hat er in den 80er Jahren - zusammen mit den regionalen Vereinen - viele Trassen in der Örtlichkeit festgelegt und markiert. Auch für den 31 hat Rigas eine deutsche Übersetzung verfaßt.

Noch schwieriger war die Situation in Nordgriechenland. Mehrmals verloren wir die Fortsetzung des markierten Weges. Die Blechschilder waren heruntergerissen und bei Wegegabelungen verdreht worden. Wir mußten einige Male auf befestigte Wege ausweichen. Wenn wir auf dem richtigen Weg waren, hatten wir oft den Eindruck, daß mindestens seit einem Jahr dort kein Wanderer mehr durchgegangen war; sosehr waren die Wege zugewachsen. Das ist ein Teufelskreis und ein Jammer um aufgewandte Arbeit. Denn mit der Errichtung der Wege war im ländlichen Raum auch die Hoffnung auf Tourismus geweckt worden. Ich erinnere mich an ein schönes altes Haus in dem Ort Agios Germanos nahe der griechisch-mazedonischen Grenze, das von Frauen des Dorfes als Gemeinschaftsunternehmen bewirtschaftet wurde. Also muß dafür geworben werden und müssen als weitere Wanderhilfen ausreichende Karten und aktuelle Wegebeschreibungen zur Verfügung stehen.

Die eingangs erwähnten Wegebeschreibungen zum E4 und E6 von A. Rigas sind dicke Papierbündel. Sie sind bei mir gegen Übernahme der Kopierkosten zu erhalten. Auch für Wege 31, 32 und 33 auf dem Peloponnes gibt es inzwischen deutsche Wegebeschreibungen. Leider stimmten die Angaben nicht immer mit der vorgefundenen Situation in der Landschaft überein. Eine Wegebeschreibung kann eben eine gute Markierung nicht ersetzen. Bei lückenhaften Markierungen sollte wenigstens eine einigermaßen zuverlässige Karte vorhanden sein, damit man die Richtung abschätzen kann.

So ist es mir ein wichtiges Anliegen, über neue Wanderkarten im Maßstab 1: 50.000 zu berichten. Sie sind eine Weiterentwicklung der früheren sog. Korfes-Karten des griechischen Bergsteigerverbandes. Es sind völlige Neuzeichnungen. Viele der jüngeren Forststraßen scheinen eingetragen worden zu sein. Die Karten enthalten auch die großen Staudamm-Projekte der letzten Jahre. Daß sie eher für Bergsteiger und Wanderer angefertigt wurden, spürt man an der Darstellung der Hauptstraßen, die in einem blassen Gelb gehalten sind, so daß die Groborientierung auf den auch noch ziemlich kleinen Karten im ersten Moment schwierig ist.

Eine große Hilfe für die Vorbereitung einer Tour ist, den Streckenverlauf der Wanderkarten in eine Straßenkarte einzuskizzieren, um eine grobe Routenplanung machen zu können. Auf der Rückseite tragen die einzelnen Blätter neben Telefonnummern der örtlichen Bergsteiger-Sektionen und Adressen der Hütten auch gute Informationen zur Morphologie, zur Geschichte und zu einzelnen Wegeabschnitten. Sie sind ab dem Jahr 2000 mit Fördermitteln der EU entstanden. Diese Karten können von interessierten Wanderern von den griechischen Tourismus-Verbänden erbeten werden. Zum Beispiel trägt die Serie vom Pindos den Titel: Mountain Pindos, Published 2001 by the Greek National Tourism Organisation, Not for sale/ unverkäuflich).

Für deutsche Wanderer ist die sinnvollste Adresse die

Griechische Zentrale für Fremdenverkehr
Neue Mainzer Straße 22
60311 Frankfurt
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Insgesamt gibt es inzwischen folgende Serien von Karten. Nach ihrer griechischen Bezeichnung sind es:

  • Pindos, hier insgesamt 12 Blätter, die nach Berggruppen bezeichnet wurden.

Im Einzelnen handelt es sich um folgende Blätter:

1. Gramos 5. Ligos 9. Lakmos
2. Smolikas 6. Mitsikeli 10. Koziakas
3. Voio 7. Mavrovouni 11. Athamanika
4. Timfi 8. Meteora 12. Agrafa

Die Pindos-Region ist wohl das noch wildeste Gebirgsgebiet Griechenlands. Mit Hilfe dieser Karten müßten sehr eindrückliche Wanderungen möglich sein. Ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen in dem Gebiet ist der alte Ort Metsovo. Von dort kann mit diesen Karten (Blatt 7, 5 und 3) auf dem E6 über viele Tage nach Norden bis zur Europastraße E 90, der mit viel EU-Geld ausgebauten Via Egnatia, gewandert werden. Mit Hilfe der Blätter 10 und 12 können etwa zwei Drittel des E4 zwischen Meteora und Karpenissi abgedeckt werden. In den Blättern 2, 4 und 6 ist der nationale Weg 03 eingezeichnet, der in Süd-Nord-Richtung in dem Ort Sistrouni bei Ioanina beginnend hoch zum Mitsikeli und dann unterhalb der Kammlinie über die Dörfer Dikorifo, Kipi, Vrissohori und dazwischen auch durch die berühmte Vikos-Schlucht geht und in Drossopigi nahe der genannten Europastraße E 90 endet. In den Zagochoria-Dörfern soll man nach Angaben des DuMont Reiseführers zahlreiche ruhige Hotels und Pensionen finden können, die in den traditionellen Steinhäusern eingerichtet wurden, z.B. in Kipi oder Monodendri, um von dort z.B. in die Vikos-Schlucht zugelangen.

  • Rodopi, insgesamt 7 Blätter, die folgende Bezeichnung tragen:
1. Falakro 5. Koula
2. Potamoi 6. Ahladovouno
3. Frakto 7. Papikio
4. Paranesti  

Damit wird ein interessanter Teil der östlichsten Abschnittes des E6 abgedeckt. Der Weg verläuft hier ziemlich nahe der bulgarischen Grenze. Es ist ein wenig besiedeltes Gebiet. Die Kartenserie setzt in Voulakis ein, einem Ort in der Nähe des Wintersportgebietes am Falakro. In diesem Teil der Rhodopen gibt es noch phantastische Laubwälder. Mit diesen Karten kann man auf dem E6 bis in die Nähe von Komotini gelangen. Ich kann nichts über die Landschaft dort sagen, unsere Wanderung endete in Livadero nördlich von Drama, aber sie wird wenig mit Griechenland-Klischees zu tun haben. Wir wären froh gewesen, solche Karten gehabt zu haben. Dann wären wir wohl auch weiter gewandert.

  • Chelmos, von diesem Teil des Peloponnes und von der Halbinsel insgesamt gibt es nur zwei Blätter. Damit ist aber der „Einstieg“ auf dem E4 einfach. Ungefähr vier Tagesetappen kann man auf diese Weise vergleichsweise sicher wandern. Ab Vitina sind wir auf den „32“ gewechselt. Die nachfolgenden Etappen über Dimitsana bis Karitina sind landschaftlich und kulturell sehr reizvoll und die Markierung war ausreichend. Damit hat man einen schönen Teil des Peloponnes gesehen.
  • Die beiden Kartenblätter Parnassos und Giona grenzen aneinander.

Mit dem Blatt Parnassos kann man von Delphi zwei Tagesetappen auf dem E4 nach Norden über Eptalofos bis Viniani machen. Ab Eptalofos gibt es einen jüngeren Weg 22, der auch noch nicht in der Übersichtsskizze enthalten ist, der einen großen Bogen durch den Parnaß macht und in Arachova an der großen Straße nach Delphi endet. Das wäre eine reizvolle Rundwanderung. Dieses Blatt enthält auch Hinweise für Felskletterer. Mit dem westlich angrenzendem Blatt Giona kann man auf dem E4 noch ein ganzes Stück weiter bis in die Gegend von Artotina gelangen.

  • Die Karte Olympos ist ein Großblatt. (Hier gab es eine Vorgängerkarte; das Kartenbild ist deutlich besser geworden!)

Wenn man von Litochori auf dem E4 zum Olymp wandern möchte, was Spaß macht, reicht die gute Markierung aus. Die Hütte Balkoni ist groß, aber auch gut besucht. Wir wollten von dort auf dem Weg 02 in Richtung Ossa weiterwandern. Es war Hochsommer, aber trotzdem kam dichter Nebel auf und auf dem vegetationslosen Gipfelareal gab es nur Steinmännchen als Wegweiser. Da wir nicht einschätzen konnten, wo der 02 abzweigt, brachen wir die Wanderung ab und setzten die Tour in Ambelakia fort. Auch in dieser Situation hätte uns vielleicht die Karte geholfen. Sie deckt auch noch ein gutes Stück des E4 in Richtung Ellasona ab.

Wer mehr Hintergrundwissen über das Land und seine Geschichte erhalten möchte, dem sei der von Lambert Schneider und Christoph Höcker verfaßte DuMont Kunstreiseführer „Griechisches Festland“ (Neuauflage ISBN 3-7701-2936-9, 25,90 €) empfohlen. Da werden sorgfältig die glanzvollen antiken und byzantinischen Monumente erläutert, doch auch eindringlich darauf hingewiesen, wie jung letztlich der griechische Staat ist, daß z. B. Saloniki zusammen mit weiten Teilen Mittel- und Nordgriechenlands, also gerade den meisten Teilen, die diese Kartenserien abdecken, noch bis 1912 zum osmanischen Reich gehört haben. Das darf man bei Urteilen über Erscheinungen des täglichen Lebens nie aus dem Auge verlieren. Vom gleichen Autor sind ähnliche Führer über den Peloponnes und über Kreta erschienen.

Abschließend möchte ich zusammenfassen: Wandern in Griechenland ist reizvoll, aber auch eine Herausforderung. In den Dörfern und kleinen Städten werden die Wanderer freundlich empfangen und man kann mit Hilfe beim Übernachten rechnen. Doch man darf nur begrenzt auf Ratschläge zum Weg hören. Zu Fuß durch die Landschaft gehen, kommt vielen Griechen sonderbar vor. Das Bild vieler Orte wird meist von etwas lieblosen Neubauten der letzten Jahre geprägt. Doch auch da hat ein Umdenken begonnen, werden in den historischen Stadtkernen und ländlichen Zentren die schönen alten Häuser der Stadtaristokratie, die sogenannten „archontikoi“, unter Schutz gestellt, mit öffentlichen Mitteln wiederhergestellt und oft auch zugänglich gemacht. Resümee: Noch sind in Griechenland Gastfreundschaft und Fremdenfreundlichkeit keine leeren Worte, sondern gute lebendige Traditionen. Das „Netzwerk“ würde sich über Berichte mit aktuellen Wandererfahrungen freuen!

Fotos: Bettina Heidemann



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