Literatur
Erstellt am Donnerstag, 13. September 2012
Geschrieben von Dr. Lutz Heidemann

Der Türkei-Wanderführer von Michael Hennemann im Conrad Stein Verlag

Wanderer in einsamer Gegend sind verletzliche Wesen, sie können schnell hilflos werden und sind auf Sachen und Leistungen angewiesen, die andere vor ihnen für eine gute Durchführung einer Wanderung vorbereitet haben. Mich jedenfalls erfüllt oft ein Gefühl der Dankbarkeit, wenn ich am Ende einer Wanderung und voll mit schönen Eindrücken an die Mühen des „Wegemachens“ denke. Man war ja auch nicht als kommerzieller Lkw-Fahrer über eine mautpflichtige Autobahn gebraust, sondern mühsam über Forststraßen und Feldwege oder über Viehtriften und menschliche Trampelpfade gegangen oder wurde querfeldein von Stein zu Stein oder Baum zu Baum zum nächsten Wegstück geleitet. Daraus ergibt fast selbstverständlich sich ein Sympathie- und Kameradschaftsgefühl gegenüber Unbekannten.

So es ist im Prinzip auch schön und gut, wenn Informationen über Wege verbreitet werden und zunächst zu begrüßen, daß im Conrad Stein Verlag im Frühjahr 2005 in der Outdoor-Reihe ein Wanderführer von Michael Hennemann mit dem Titel „Türkei: Lykischer Weg“ erschienen ist. Menschen zum Wandern in der Türkei anzustiften, ist per se nicht falsch. In der Einleitung wird ein Szenario über gängige Türkei-Klischees beschworen, das mit einer Aufforderung zum Wandern endet, dem Sammeln von eigenen Eindrücken. Nach diesem Rat kommt der Satz: „Der Lykische Weg („Lycia Yolu“) [leider falsch abgeschrieben, wie z.B. das Großfoto im Innentitel zeigt] ist der erste markierte Weitwanderweg der Türkei.“ Es folgen Ausführungen über den einfachen Zugang über den Flughafen Antalya, und daß der Weg ein wirklicher Geheimtip sei. Nach langen und korrekten landeskundlichen Ausführungen wird in dem unter dem Stichwort-Abschnitt Wegemarkierung auf die Wegweiser und die weiß-rote Strichmarkierung hingewiesen. Das war es. Kein Wort über Kate Clow, die „Erfinderin“ des Weges, kein Wort über ihren englischen Führer mit seinen Kartenskizzen, die nach aller Wahrscheinlichkeit die Grundlage der im Führer umgezeichneten Karten waren. Es gibt eingangs eine Spalte „Dank“, hier ist der einzige Verweis ein Bus- und Taxi-Unternehmen.

Das ist nicht „die feine englische Art“. Der Lykische Weg entstand durch eine Privat-Initiative; in den Markierungen steckt viel Arbeit von Freiwilligen drin. Ich finde das bemerkenswert. Kate Clow hat ausgesprochen werbend und vermittelnd das Internet als Medium benutzt. Dort hat sie mindestens 2004 die Information eingebracht, daß eine deutsche Wegebeschreibung vorliegt und sie einen Verlag sucht. Sie hat dann das Risiko selbst getragen und im Frühsommer einen deutschen Führer herausebracht. „Irdische Reichtümer“ sind mit Führern nicht zu gewinnen, aber etwas Honorar wird der Verlag Herrn Hennemann aber doch gezahlt haben. Michael Hennemann, Jahrgang 1973, ist nach den eigenen biografischen Angaben ausgebildeter fototechnischer Assistent, hat also - wenn ich polemisch bin - Reproduktionstechniken gelernt, und nachfolgend ein Geographie-Studium begonnen. Auf der Hochschule müßte er das wissenschaftliche Zitieren und den Umgang mit geistigem Eigentum gelernt haben. Auf meine Frage an den Verlag, ob eine Abstimmung mit Kate Clow erfolgt sei, erhielt ich die Antwort: „Bei der Lektüre würde ich feststellen, daß es mit dem Buch von Kate Clow nichts gemein hat. Der Autor hat das Buch eigenständig verfaßt.“ Das ist insofern wahr, als der Anfangsteil des „Lycian way“ von Fethiye bis Kaş , also eine Strecke von ca. 150 km überhaupt nicht erwähnt wird. Über die Qualität der Wegebeschreibungen will ich mich im Detail nicht auslassen, sie sind jedenfalls knapper. Der Führer ist dadurch auch leichter und handlicher, um auch etwas Positives zu sagen.



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