Wandern in Kreta

Literatur
Erstellt am Samstag, 01. April 2006
Geschrieben von Dr. Lutz Heidemann

Outdoor Wanderführer „Griechenland Trans Kreta E4“

Als gute Ergänzung zu meinem Bericht über Wandermöglichkeiten auf dem griechischen Festland folgt nun der Hinweis auf das Outdoor Handbuch 88 über den E4 in Kreta aus dem Conrad Stein Verlag. Es handelt sich um die zweite, im Jahr 2005 erschienene Auflage. Sie beruht auf Begehungen, die Dr. Sven Deutschmann im Sommer 2004 gemacht hat. Eine erste Auflage war 2000 erschienen und basierte auf Recherchen und Texten von Dagmar Wahlen und Rainer Lencer. Der Weg selbst ist wohl in den 1980er Jahren angelegt und an einigen Stellen neu trassiert worden. Aus der Übersichtsskizze der griechischen Weitwanderwege geht die großräumige Lage des E4 Kreta hervor. Inzwischen ist ein zweiter Sprung über das Meer vorgenommen worden und der E4 hat eine Fortsetzung in Zypern gefunden (siehe Kurzbericht in „Wege und Ziele“, Ausgabe 16, S. 36 - 37).

Eine erste Orientierung und Einstieg für die Routenplanung ist auch über Straßen-Karten möglich. Auf diese Weise kann man sich vielleicht bei Badeferien erst einmal an einen Tagesausflug auf dem E4 heranwagen und Wegebeschaffenheit und Markierungsdichte erkunden. Ich fand z.B. den Wegeverlauf auf der Generalkarte Kreta (MairDuMont). Bevor dieser Beitrag in unser Internet gestellt wird, werde ich mich informiert haben, ob auch in anderen in Deutschland erhältlichen Straßen- oder Freizeitkarten von Kreta der Verlauf des E4 eingetragen ist. Es gibt eine Karte des Harms-Verlages 1:100.000 mit Eintragungen des Weges, die allerdings teilweise nicht mehr aktuell sein sollen. In Griechenland gibt es vier Kreta-Blätter im Maßstab 1:50.000 vom Verlag Giorgis N. Petrakis. (Bestellungen Tel. und fax: 081/282630)

Der Führer fängt holprig an; die historische Einführung ist holzschnittartig bescheiden, dann doch lieber ganz weglassen. Später im Text macht Sven Deutschmann sehr gut auf historische Stätten am Weg aufmerksam. Auch Binsenweisheiten wie Schwierigkeiten einer Anreise mit dem Auto könnten schlicht weggelassen werden. Hinweise auf Geldwechselmöglichkeiten in Städten und Bergorten sind nach Einführung des Euro schlicht ärgerlich; hier fehlte ein kritisches Lektorat.

Wenn es dann an die Wegbeschreibungen geht, ist der Text sehr präzise; stellenweise wird der Leser und Wanderer von Markierungsstange zu Markierungsstange geleitet. Das scheint im Westteil der Route auch nötig zu sein. Ich kenne Kreta und den Weg nicht; ich kann mir aber einige Markierungsprobleme gut von Erfahrungen auf drei Wanderungen auf dem griechischen Festland vorstellen. Die Griechen haben sich auf gelb-schwarze Metallschilder und Stangen festgelegt. Ich habe Anastasios Rigas vergeblich auf meine besseren Erfahrungen mit Farbmarkierungen auf Steinen und Bäumen hingewiesen. Ich will nicht leugnen, daß bei Grasmatten im Bergland Stangen besser geeignet sind. Inzwischen hat Sven Deutschmann vielfach gelb-schwarze Striche bzw. Farbpfeile oder rote Punkte beobachtet.

Deutschmann warnt Wanderer sehr eindringlich vor schwierigen oder schlecht markierten Abschnitten. „Über rutschiges Geröll muß ein Steilhang auf einem schmalen ungesicherten Felsband gequert werden. Hierzu ist unbedingt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich“. Deutschmann schildert auch Ausweichrouten und Varianten. Ein Einstieg im mittleren Teil ist gut möglich und bietet immer noch großartige Blicke. Der Ostteil der Tour ist insgesamt einfacher. Da werden ziemlich regelmäßig Dörfer durchquert, wo es auch schon Zimmerangebote gibt. Das Wandern auf Kreta hat sehr unterschiedliche Gesichter. Einmal muß Deutschmann ein Stück auf der Zufahrtsstraße zur Samaria-Schlucht benutzen, „... wo sich in der Hauptsaison bis zu 3.000 Wanderer herunterschieben.“

Eine zweite Auflage könnte ein Indiz sein, daß der Weg trotz der Schwierigkeiten gegangen wird, zumindest, daß er Wanderer beschäftigt. Deutschmann ist im Frühjahr mit dem Zelt unterwegs gewesen. So ist der Text durchzogen mit Hinweisen auf geeignete Zeltplätze. Nach seinen Erfahrungen müssen Wasser und Lebensmittel an bestimmten Etappen für ein und öfters auch für mehrere Tage mitgenommen werden. Die Wanderung ist eine Herausforderung. Man soll Wanderstiefel statt Wanderschuhe tragen. Im Frühjahr war es noch kalt. Deutschmann hat sich öfter Wasser aus noch liegengebliebenen Schnee bereitet. Das kann in anderen Jahreszeiten leichter sein. Wir waren im Oktober in der nahen Südtürkei mit Schlafsäcken ausreichend bedient.

Anmerkung 1: Man kann sich auch durch Kreta führen lassen, besser auf diese Weise als überhaupt nicht auf der Insel wandern. Ich fand auf der TourNatur als Anbieter den Veranstalter „Smile-Travel-Wanderreisen (Informationen unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ), deren Repräsentant in Deutschland ist Harald Schwarzer, der damit wirbt, daß er seit 1979 Wanderführer sei; Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! . Aus einem Werbeblatt geht hervor, daß die Wanderzeit täglich etwa 3-4 Stunden dauere. Es sind dann eben auch Wanderferien...

Anmerkung 2: Anastasios Rigas schrieb mir im September 2002, daß bei der schwierigen Etappe von Soujia nach Agia Roumeli die Markierungen von einer Französin zerstört worden seien, deren Mann Bergführer sei und hoffte von Wanderern engagiert zu werden. Man hätte versucht, sie zu erwischen und anzuklagen, aber ohne Erfolg.

Anmerkung 3: Sven Deutschmann berichtet von ausgezeichneten Markierungen auf Teilstücken der Levka Ora, der weißen Berge, die Josef Schwemberger vorgenommen habe, der vor einiger Zeit die Kallergi-Hütte (Tel. 08210/ 33199) gekauft und renoviert hat und in der Saison betreibt.

Anmerkung 4: Sven Deutschmann berichtet, daß es ihm nicht gelungen sei, vor und nach der Wanderung einen Kontakt zu den Bergsteigerverbänden in Kreta herzustellen, um Erfahrungen zu bekommen und weiterzugeben. Das Lied können auch viele von unseren Mitgliedern von anderen Wandergebieten singen. Die Adressen der örtlichen Verbände, die er im Vorspann nennt, stimmen nicht mit denen überein, die mir A. Rigas 2002 nannte. Auch meine Mail-Adresse der Bergsteiger Verbandszentrale in Athen (EOOA) von 2002 ist nicht mehr aktuell. Von den Verbänden in Kreta kann ich als Anschrift bieten: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ich würde mich freuen, wenn Vereinsmitglieder von ihren Kreta-Erfahrungen berichten würden. Wir werden sie hier veröffentlichen!

Erschienen inder Zeitschrift vom Netzwerk Weitwandern e.V. Wege & Ziele 19 - April 2006



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